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Weingut Joh. Jos. Prüm, Wehlen
Thema 05 / 06 — Weingüter

WerhierWein macht

Bewahrer und Erneuerer: die VDP-Spitze, die Aufsteiger, der Klitzekleine Ring — und die Familie Prüm, seit 1156 in Wehlen.

Wer macht den besten Mosel-Riesling? Die Antwort hängt vom Stil ab, vom Geldbeutel und von der Geduld. Pigott ordnet die Häuser nicht alphabetisch, sondern nach ihrer Rolle: Bewahrer, die seit Jahrzehnten dasselbe tun, Erneuerer, die 1987 gegen den Gebietskonsens antraten, und Aufsteiger, über die die Etablierten „(noch)“ lachen.

01Die Bewahrer

Wehlen · gegr. 1911

Joh. Jos. Prüm

Das wohl bekannteste Mosel-Weingut. Dr. Manfred Prüm übernahm 1969 nach dem plötzlichen Tod seines Vaters Sebastian Alois; heute führt Dr. Katharina Prüm. Kein Erzeuger im ganzen Gebiet sei so lange einem Weintypus treu geblieben: reduktiver Ausbau, extrem späte Lese, zart bis betont süß, extrem langlebig — bei der Veröffentlichung verhalten, nach zehn Jahren atemberaubend. Kein GG, seit 2003 eine feinherbe Spätlese aus der Badstube.

Wehlener Sonnenuhr · Graacher Himmelreich · Zeltinger Sonnenuhr · Bernkasteler Badstube
Wiltingen / Saar

Egon Müller — Scharzhof

1797 von Jean-Jacques Koch erworben, seit 1888 unter dem Namen Egon Müller weltberühmt. Egon Müller IV. bleibt konsequent klassisch: kein Großes Gewächs, nur Prädikatsweine mit Restsüße. Die Trockenbeerenauslesen vom Scharzhofberg sind die teuersten Weißweine der Welt; die Weine rufen, wie viele große Klassiker, „extreme Reaktionen“ hervor.

Scharzhofberg · Wiltinger Braune Kupp
Wehlen

Dr. F. Weins-Prüm

Im Nachbarhaus an der Uferallee erzeugt Bert Selbach seit über einem Vierteljahrhundert zuverlässig gute Mittelmosel-Rieslinge — Kabinett, Spätlese, Auslese mit deutlich spürbarer natürlicher Traubensüße. Selten spektakulär, aber von beachtlicher Beständigkeit: ein „Klassiker“ im positiven Sinne.

Wehlener Sonnenuhr · Erdener Prälat · Graacher Domprobst
Bernkastel

Wwe. Dr. H. Thanisch

Der Doctor-Klassiker, dessen Ruf zwischenzeitlich abrutschte und den Pigott unter Sofia Thanisch-Spier und Olaf Kaufmann wieder gefestigt sieht: Eleganz und ein zartes Fruchtsüße-Säure-Spiel. „Die Thanisch-Weine sind generell sehr zart und damit kaum geeignet, um Schlagzeilen zu machen.“

Bernkasteler Doctor · Badstube
Brauneberg · seit 1605

Fritz Haag

Wilhelm Haag machte das Gut ab den 1960er Jahren zur Mosel-Spitze; Oliver Haag führt es seit 2005 mit eigener Handschrift. Sehr klar, präzise, etwas strenger als Prüm — und langlebig.

Brauneberger Juffer · Juffer-Sonnenuhr
Mertesdorf / Ruwer · seit 966

Maximin Grünhaus

Seit 1882 Familie von Schubert, heute in fünfter Generation. Drei Klosterhänge — Abtsberg, Herrenberg, Bruderberg — im Alleinbesitz. Volle Bandbreite von trockenen GG bis zu Eisweinen.

Abtsberg · Herrenberg · Bruderberg
Trier-Eitelsbach / Ruwer · seit 1335

Karthäuserhof

Vom Karthäuserkloster St. Alban gegründet, 1811 säkularisiert. Familie Tyrell, seit 2018 mit Önologe Mathieu Kauffmann. Monolithischer Hang, sehr trocken im Antrunk, großes Reifepotential.

Karthäuserhofberg
Graach · 4 ha

Willi Schaefer

Eines der kleinsten VDP-Güter und eines der weltweit am schwersten zu kaufenden. Christoph Schaefer, mit Erfahrung aus Kalifornien und Südafrika, will der Stilistik seines Vaters treu bleiben; im Weingut hat sich über Jahrzehnte kaum etwas geändert.

Graacher Domprobst · Graacher Himmelreich

02Die Erneuerer

Bernkastel · ab 1987

Dr. Loosen

Ernst Loosen und sein Verwalter Bernhard Schug befreiten die Mittelmosel aus ihrer defensiven Haltung: kein Mineraldünger, drastische Ertragsreduktion, sehr späte selektive Lese, Spontanvergärung — im Inland belächelt, im Ausland gefeiert, 2001 „Winzer des Jahres“. Nach dem nassen Herbst 2000 nahm Loosen die Spontangärung zurück; aus dem „wilden Jungwinzer“ wurde ein global agierender Unternehmer (J. L. Wolf, Eroica mit Chateau Ste. Michelle, Dr. L. Riesling).

Bernkasteler Lay · Wehlener Sonnenuhr · Graacher Himmelreich · Ürziger Würzgarten · Erdener Prälat · Treppchen
Winningen · seit 1980

Heymann-Löwenstein

Reinhard Löwenstein und Cornelia Heymann bestockten vergessene Terrassen, gewannen 1987 die große Blindprobe, strichen die Prädikate vom Etikett und gliederten den Uhlen nach Quarzitadern. Trocken, ohne Süße, polarisierend — „auch Teil ihres Wesens“. Heute Sarah Löwenstein.

Uhlen Laubach · Roth Lay · Blaufüsser Lay · Röttgen
Wiltingen · seit 2000

Van Volxem

Roman Niewodniczanski übernahm das brachliegende Gut und revolutionierte die Saar: Lagenkonzentration, trockener Ausbau, neue Weinberge, über 80 Hektar. Neubau von David Chipperfield (2019).

Scharzhofberg · Kanzemer Altenberg · Gottesfuß
Pünderich · seit 1984

Clemens Busch

Pionier des biodynamischen Mosel-Weinbaus nach Demeter. Die Marienburg in fünf Parzellen, für jede ein eigener Wein. Trocken, schiefermineralisch, mit eigener Handschrift.

Marienburg: Falkenlay, Fahrlay, Rothenpfad, Felsterrasse, gut Oberhof
Bernkastel-Wehlen · 70 ha

Markus Molitor

Kein VDP-Mitglied, aber mit Anteilen an fast allen Top-Lagen zwischen Trittenheim und Erden eines der größten und konstantesten Häuser. Drei Stile — trocken (weiße Kapsel), feinherb (grün), edelsüß (gold) — erlauben eine vergleichende Lagenstilistik wie sonst niemand.

Doctor · Sonnenuhr · Domprobst · Würzgarten · Prälat
Lieser · seit 1992

Schloss Lieser

Thomas Haag, Bruder von Oliver Haag, übernahm das historisch bedeutende Schloss. Weltklasse-GG, sehr genau, etwas zugänglicher als Fritz Haag.

Niederberg-Helden · Juffer-Sonnenuhr · Doctor
Wehlen

Heribert Kerpen

Martin Kerpen, Mitte der 1980er Jahre als Pionier der „Neuen Mosel“ gefeiert, blieb seinem fruchtbetonten Stil treu — und macht seit 2003 kräftige trockene Weine: „Da haben wir gemerkt, wie Alkohol den Wein runder macht, aber nicht breit.“ Für Wehlen „revolutionäre Weine“.

Wehlener Sonnenuhr · Graacher Domprobst
Zeltingen

Selbach-Oster

Johannes Selbach, Botschafter des feinherben Mosel-Kabinetts. Die Zeltinger Sonnenuhr als Terroir-Beleg: würziger und dunkler als Wehlen.

Zeltinger Sonnenuhr · Schlossberg · Wehlener Sonnenuhr
Piesport · urkundlich seit 1337

Reinhold Haart

Theo Haart, seit 2018 mit Sohn Johannes. Den Aromenüberschwang des Goldtröpfchens in eine schlanke Silhouette gepackt. Julian Haart, der jüngere Bruder, mit eigenem Gut.

Piesporter Goldtröpfchen

03Aufsteiger und der Klitzekleine Ring

2005 kristallisierte sich um Traben-Trarbach der „Klitzekleine Ring“ heraus — Kleinwinzer, Nebenerwerbswinzer und ehrgeizige Hobbywinzer, deren Rebflächen nach konventioneller Ansicht zu klein sind, um ernsthaft mitzuspielen. Der Name ist ein bewusst ironisches Spiel mit dem „Großen Ring“ der VDP-Mitglieder und dem „Bernkasteler Ring“, auch „Kleiner Ring“ genannt. Erklärtes Ziel: Aufsteigern eine Bühne bieten und dem Rückgang der Rebfläche in den Steillagen entgegenwirken. Die Wirkung der wenigen Veranstaltungen sei „vollkommen überproportional“ ausgefallen.

Die etablierten Winzer des Gebiets lachen (noch) über solche Gebilde, die etablierten Weinmedien nehmen sie (noch) nicht ernst.

Stuart Pigott, Mosel, S. 69

Das dreifach gesetzte „(noch)“ ist die Prognose des Buches. Pigott stellt die Gruppe als Gegenpol zu den historischen Gütern — namentlich zu Joh. Jos. Prüm — und hält fest, dass beide Seiten dasselbe wollen: Qualität und den Geschmack des engen, eigensinnigen Tals so stark wie möglich herausstellen.

04 — Wehlen seit 1156Die Familie Prüm

Die Familie Prüm ist die längste durchgehend belegte Winzerfamilie der Mosel — urkundlich seit 1156 in Wehlen ansässig. Jodocus Prüm (1807–1876) ließ 1842 die Sonnenuhr in den Fels setzen und wirkte als Weinbergsbesitzer in jener Landschaft, die Koch zwei Jahrzehnte nach seinem Tod als „geschlossene Front erster Lagen“ beschrieb — mit Fuderpreisen bis über 12.000 Mark und zugleich fünfzehn bis fünfundvierzig Parzellen je Besitzer. Aus der Stammlinie sind im 19. und 20. Jahrhundert mehrere Weingüter hervorgegangen, die heute zur Mosel-Spitze gehören. Die ausführliche Familiengeschichte mit Stammbaum, Quellen und Bildern steht auf pruemwein.de, die Biographie des Stammvaters auf jodocus.de.

Weingut S. A. Prüm
S. A. PrümWehlen, gegründet 1911.
Weingut Dr. F. Weins-Prüm
Dr. F. Weins-PrümUferallee, Wehlen.
Sebastian Alois Prüm
Sebastian Alois PrümGründer von S. A. Prüm, 1911.
Die Prüm-Weingüter in Wehlen, beschriftete Ansicht
Prüm in WehlenPrüm, S. A. Prüm, Studert-Prüm, Weins-Prüm, Joh. Jos. Prüm — die Häuser am Ufer.