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Wehlen vom Sonnenuhr-Ufer
Vertiefung — 1794 bis 1813

UnterdemHammer

In zehn Jahren wechselte, was in tausend gewachsen war, den Besitzer: Kelterhäuser, Klosterhöfe, Weinberge Stock für Stock — mit Datum, Schätzpreis, Zuschlag und Käufer.

Am 24. Juni 1803 kauften vier Winzer aus Wehlen gemeinsam ein Haus mit zwei Keltern, das bis dahin dem Kurfürsten von Trier gehört hatte. Am selben Tag gingen ein Kelterhaus des Stifts Pfalzel und fast fünf Hektar Weinberg des Klosters Machern in neue Hände. Es war der erste Verkaufstag im Kanton Bernkastel — der Anfang einer Umverteilung, die in zehn Jahren den geistlichen und adligen Weinbergsbesitz an der Mosel auflöste. Die Akten sind erhalten und ediert: Ort, Datum, Objekt, Vorbesitzer, Pächter, Käufer, Schätzpreis, Zuschlag.

01 — 1794 bis 1802Vom Sequester zum Gesetz

Die militärische Besetzung des linken Rheinufers war 1794 im Wesentlichen abgeschlossen. Bis zur Eingliederung in den französischen Staat vergingen acht Jahre, in denen die Kirchen- und Adelsgüter, wie Wolfgang Schieder und Alfred Kube schreiben, „nur konfisziert, nicht enteignet, geschweige denn veräußert“ wurden. Sie standen unter Sequester; verkauft wurde meist nur Mobiliar. Die Feudalabgaben — Zehnt, Teiltrauben, Grundzinsen — zog der Staat zunächst selbst ein und hob sie am 26. März 1798 ohne Entschädigung auf.

Ende 1797 richtete der Regierungskommissar Rudler eine Zivilverwaltung ein und schuf mit Erlass vom 23. Januar 1798 vier Departements: Rur mit Aachen, Saar mit Trier, Rhein-Mosel mit Koblenz, Donnersberg mit Mainz. Die Mosel war damit geteilt — die Mittelmosel bis hinunter nach Zeltingen und Ürzig gehörte zum Saar-Departement, die Untermosel mit Trarbach, Zell und Cochem zum Rhein-Mosel-Departement. Der Friede von Lunéville am 9. Februar 1801 machte die Annexion völkerrechtlich endgültig, das Konkordat vom 15. Juli 1801 den Weg kirchenrechtlich frei.

Dann ging es schnell. Der Konsularbeschluss vom 9. Juni 1802 löste alle geistlichen Institutionen auf, ausgenommen Bischofssitze, Domkapitel, Pfarreien und reine Kranken- und Unterrichtsanstalten; ihr Vermögen wurde Nationalgut. Der Beschluss vom 25. November 1802 setzte 29 Verkaufsgesetze in Kraft. Für den Adel galt zuletzt die Regelung vom 11. Mai 1804: Der reichsständische Adel war endgültig enteignet; wer zum landsässigen Adel gehörte und zurückkehrte, bekam seine Güter wieder, musste sie aber binnen drei Jahren verkaufen, wenn er nicht Franzose wurde.

Säkularisation und Mediatisierung müssen daher im linksrheinischen Deutschland im Hinblick auf die Besitzumschichtung als ein einheitlicher historischer Vorgang angesehen werden.

Schieder / Kube, Die Veräußerung der Nationalgüter im Rhein-Mosel-Departement, S. 7

Für den Wein heißt das: Unter den Hammer kamen nicht nur die Höfe von St. Maximin, St. Matthias oder Himmerod, sondern ebenso die Kelterhäuser des Kurfürsten, die Weinberge der Grafen von Blankenheim in Dusemond und der Besitz der Pfalzgrafen in Veldenz und Mülheim.

02 — 1803 bis 1813Schätzen, ausrufen, zahlen

Bei jeder Domänenverwaltung saß ein Bureau des liquidations et ventes mit bestellten Gutachtern. Als Richtwert galt für Grundstücke das Zehnfache des Ertrags von 1790 zuzüglich des Zehnten, für Gebäude das Sechsfache; weil das zu niedrig lag, wurden die Faktoren am 25. Februar 1804 verdoppelt. Der Schätzpreis war das Mindestgebot. Parzelliert wurde in der Regel nicht — ein Hof kam als Hof zum Aufruf.

Im Rhein-Mosel-Departement fanden alle Versteigerungen im Hof der Präfektur in Koblenz statt, angekündigt auf durchnummerierten Plakaten, den Affiches, die in je rund dreihundert Stück an alle Bürgermeistereien gingen — von der sechsten an zweisprachig, seit März 1804 mit den alten Maßen Morgen, Rute und Schuh neben den neuen. Vom 25. August 1803 bis zum 10. Oktober 1805 wurde jeden Donnerstag versteigert, danach bis Mitte 1808 alle vierzehn Tage, später in unregelmäßigen Abständen; der letzte Termin war der 22. Oktober 1813, wenige Tage nach der Schlacht bei Leipzig: 49 Güter angeboten, 17 verkauft.

Die Güter gingen frei von Schulden, Hypotheken, Renten und Grundzinsen über. Die erste Rate war spätestens nach drei Monaten fällig, der Rest in Raten über fünf Jahre; wer nicht zahlte, verlor das Gut wieder. Ausdrücklich vorgesehen war der Kauf pour command, im Auftrag eines Dritten, der binnen Tagen zu benennen war — die Tür für die Vermittler. Nicht verkauft wurden die großen Wälder und, vorerst, die Güter, mit denen Napoleon die Ehrenlegion, den Senat und einzelne Senatorien ausstattete. Dieses Dotationssystem bewährte sich nicht; seit 1805 fielen die Güter an die Domänen zurück und kamen doch zum Verkauf. In den Bernkasteler Akten erkennt man sie an den Vermerken „Tilgungskasse“ (ab 1807) und „Senatorie von Lyon“ (1808/09).

Fiskus, nicht Reform

Schieder und Kube bestehen darauf, dass die französische Politik rein fiskalisch motiviert war: Grundvermögen sollte schnell zu Geld werden. Die Einnahme von rund zehn Millionen Francs allein im Rhein-Mosel-Departement entsprach dem jährlichen Steueraufkommen aller vier rheinischen Departements zusammen (RM S. 30–31). Eine Bodenreform zugunsten der Winzer war nicht beabsichtigt.

03 — Rhein-Mosel-DepartementDie Bilanz in Zahlen

Für das Departement um Koblenz liegt die vollständige Auswertung vor. Die Autoren warnen ausdrücklich davor, die Zahlen auf die anderen Departements hochzurechnen; als Größenordnung für die Untermosel sind sie die besten, die es gibt.

Nationalgüter
4.1582.673 verkauft, 785 unverkauft, 131 an Armeelieferanten abgetreten (RM S. 23–29)
Erlös
10.101.164 Francsbei 6.406.169 Francs Schätzwert der verkauften Güter (RM S. 28)
Fläche
24.472 Hektar7 Prozent der Departementsfläche, 16,4 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche (RM S. 64–65)
davon Weinberg
432,71 Hektar1,8 Prozent der Nationalgüterfläche; 83,8 Prozent davon veräußert (RM S. 67–69)
Preis je Hektar Weinberg
2.252 Francs132 Einzelverkäufe von durchschnittlich 0,51 ha; Acker 651, Wiese 1.116 Francs je Hektar (RM S. 79)
Winzer unter den Käufern
7 Prozent der Fälle222 Käufe für zusammen 234.255 Francs, im Schnitt 1.055 Francs; Großkaufleute (Négociants) im Schnitt 5.852 Francs (RM S. 97–99)

Auch die Weinbergslose waren mit einer Durchschnittsgröße von rund einem halben Hektar relativ klein. Mit rund 2250 Francs pro Hektar stellten sie die nach der Nutzungsart zweitteuersten Grundstücke dar.

Schieder / Kube, S. 79

Teurer als Weinberg war nur Gartenland. Und Weinberge wurde man fast immer los: Von den versteigerten fanden 91 Prozent einen Käufer. Unverkauft blieb das Minderwertige — „nicht die teuren Nationalgüter blieben also unverkauft, sondern die billigeren“ (RM S. 27).

Verkäufe im Rhein-Mosel-Departement nach Jahren (RM S. 34)
Jahrverkaufte GüterUmsatz in FrancsDurchschnittspreis
18035211.671.7483.209
18047121.129.4151.586
1805364818.9942.250
1806211850.3314.030
18072471.961.4657.941
1808101624.2426.181
180935256.3357.324
1810169418.0212.473
1811164966.3516.075
1812101985.9329.762
181347417.9308.892

Die Tabelle erzählt zwei Geschichten. In den ersten beiden Jahren wurden viele kleine Stücke verkauft — das waren die Jahre der Bauern und Winzer, die „die Erwerbsgrundlage ihrer Betriebe zu erweitern“ suchten. Seit 1807 wurden wenige, teure Güter verkauft, und es kauften die, die Kapital hatten: 1813 war kein einziger Bauer mehr unter den Käufern, fast 42 Prozent der Käufe tätigten Großkaufleute. In knapp einem Sechstel der Fälle erwarb der bisherige Pächter sein Gut, mit Angehörigen und Gruppenkäufen etwa ein Viertel. An gut einem Viertel aller Käufe war ein Vermittler beteiligt; die Großkäufer erklärten bei fast sechzig Prozent ihrer Erwerbungen schon im Vertrag, sie behielten sich den Weiterverkauf vor.

Wer verlor? Knapp achtzig Prozent der Güter waren geistlich. Der größte Einzelverlierer war Kurtrier mit 339 Gütern, dem Wert nach gefolgt von der Abtei Maria Laach mit 102. An der Untermosel fällt Treis auf: 169 Nationalgüter, nach Koblenz und Bonn der dritthöchste Wert des ganzen Departements — und nur vierzig davon kauften Treiser selbst. Im Kanton Cochem standen 176 Güter zum Verkauf, im Kanton Zell 157. Von den Trierer Häusern hatten hier unten das Domstift dreißig, St. Maximin sechzehn, St. Simeon elf und St. Matthias zehn Güter, das Kloster Stuben bei Bremm 29, Springiersbach 22.

04 — Saar-DepartementKanton Bernkastel, Stück für Stück

Für die Mittelmosel gibt es keine solche Gesamtrechnung in der Bibliothek, dafür das Rohmaterial: die Edition der Einzelverkäufe. Der Kanton Bernkastel füllt 32 Seiten mit 247 laufenden Nummern für 26 Orte von Andel bis Zeltingen; jedes Wiederangebot eines unverkauften Stücks hat eine eigene Nummer. Bei Weinbergen ist die Zahl der Stöcke vermerkt. Vorbesitzer sind die Trierer Abteien und Stifte — St. Matthias, St. Maximin, St. Martin, St. Marien, St. Paulin, St. Simeon, das Domstift, die Dominikaner —, dazu Klausen, Machern, die Franziskanerinnen von Filzen, Himmerod, Springiersbach, Echternach, Steinfeld, Prüm, der Deutsche Orden, Kurtrier und, in Zeltingen, Kurköln.

Ausgewählte Verkäufe mit Weinbezug im Kanton Bernkastel (Edition Saar-Departement, S. 1–32). Preise in Francs: Schätzpreis → Zuschlag.
Ort, TagObjektVorbesitzerKäuferPreis
Bernkastel, 24.6.1803Haus, zwei Ställe, Kelterhaus, GartenKurtrierAnton Cetto, Maire von Bernkastel3.500 → 11.000
Wehlen, 24.6.1803Haus Nr. 122 mit zwei KelternKurtrierChristoph Hout, Johann Philipp Prüm, Sebastian Stephen, Michael Esser — Winzer in Wehlen800 → 3.600
Wehlen, 24.6.18034,89 ha Weinberg „nahe der Abtei Machern“MachernKarl Ellinckhuysen, Zeltingen, bisheriger Pächter2.000 → 14.000
Filzen, 24.6.1803Kloster mit 0,57 ha WeinbergFranziskanerinnen FilzenMatthias Josef Hayn, Kaufmann in Trier4.000 → 12.000
Ürzig, 21.10.1803Haus, Kelter, 0,22 ha WeinbergSt. Martin, TrierJosef Schmitz, Winzer in Ürzig1.001 → 1.525
Kues, 6.12.1803Haus, Kelter, 2,91 ha Weinberg (32.306 Stöcke)Abtei PrümM. J. Herriges, Müller in Kues; Franz Kropp; Anton Thanisch, Bernkastel4.400 → 7.300
Graach, 6.12.1803Haus, Kelter, 0,93 ha Weinberg (10.325 Stöcke)HelenenbergWitwe Anna Maria Mayers geb. Bucher, Graach1.400 → 3.400
Graach, 2.5.18040,93 ha Weinberg (10.462 Stöcke)St. Maximinfünf Graacher Winzer, darunter Thomas Thanisch2.880 → 3.625
Graach, 2.5.1804Hausruine, 0,42 ha Weinberg (4.713 Stöcke)St. SimeonJakob Hayn, Trier4.000 → 5.800
Graach, 20.7.1804KelterhausDomstift TrierPeter Andreas Meyerbach, Winzer in Graach115 → 2.725
Kues, 22.5.1804Kelterhaus „mit 4 Keltern und 5 Bütten“KurtrierAnton Cetto106 → 295
Wehlen, 13.8.1805Hofgut, Kelter, 0,88 ha Weinberg (9.825 Stöcke)St. MaximinKarl Anton Bernasco, Kaufmann in Trier9.600 → 14.200
Graach, 30.8.18050,99 ha Weinberg (10.948 Stöcke)EberhardsklausenJ. W. Daniel, Trier, Prüfer der Domänenverwaltung11.680 → 11.800
Graach, 30.8.18050,54 ha Weinberg (5.960 Stöcke), WieseSt. Paulinsechs Graacher, darunter Thomas Thanisch und Stephan Ertz1.500 → 8.000
Graach, 9.10.1807„Echternacher Hof“: zwei Häuser, 2,83 ha WeinbergAbtei Echternach22 Käufer aus Graach, Trier, Bernkastel, Karden, Zeltingen16.000 → 24.400
Zeltingen, 9.10.18070,73 ha Weinberg (8.068 Stöcke)HimmerodHubert Merrem, Notar in Bernkastel5.000 → 10.600
Dusemond, 29.1.18081,84 ha Weinberg (20.409 Stöcke) „im Braunenberg“Franziskanerinnen Filzenvier Trierer: Scheer, Marx d. J., Schömann, Kleutgen11.000 → 16.400
Bernkastel, 28.6.18081,55 ha Weinberg (17.216 Stöcke), WieseSt. MatthiasAnton Thanisch, Kaufmann, und Valentin Schwarth, je zur Hälfte7.280 → 8.400
Maring, 7.10.1808Hofgut, 10,86 ha Acker, 0,29 ha Weinberg—Clemens Graf von Kesselstatt, Trier9.600 → 10.900

Drei Käufertypen wechseln einander ab. Da sind die Winzer und Bauern des Ortes, oft in Gruppen und oft die bisherigen Pächter — in Graach, Kues, Wehlen, Rachtig, Ürzig, Wintrich. Da sind die Bernkasteler Notabeln: der Bürgermeister Anton Cetto, der Notar Hubert Merrem, der Kaufmann Anton Thanisch, der Wirt Peter Josef Schmitger. Und da sind die Trierer Kaufleute und Juristen, allen voran Matthias Josef Hayn, dessen Name in den 32 Seiten gut zwanzigmal als Käufer oder Vermittler steht. Auffällig oft kaufen die Beamten der Verkäuferin selbst: der Domänendirektor Lelièvre in Kues, der Domänenprüfer Daniel in Graach, Monzelfeld, Zeltingen und Wintrich, ein Steuereinnehmer in Lieser.

Kelterhäuser

Am lehrreichsten sind die kleinsten Posten. Ein Kelterhaus des Domstifts in Graach, geschätzt auf 115 Francs, ging für 2.725 weg; eines der Abtei Deutz in Ürzig, geschätzt auf 65, für 1.125; das Pfalzeler Kelterhaus in Wehlen, geschätzt auf 800, für 3.600. Die Pacht hatte sieben bis zwölf Francs im Jahr betragen; in Graach und Ürzig setzten die Gutachter rund das Zehnfache an. Die Käufer rechneten offenbar anders. Eine naheliegende Erklärung — sie steht so nicht in den Akten —: Wer jetzt eine eigene Kelter besaß, war nicht mehr auf die des Herrn angewiesen.

Ladenhüter

Nicht alles ging weg. Im August 1805 kam in Graach, Wehlen und Zeltingen ein großes Angebot auf einmal zum Aufruf, und vieles blieb liegen. Zwei Jahre später wurde es zu einem Bruchteil neu angesetzt: das Zeltinger Gut von Springiersbach von 9.360 auf 3.000 Francs, der Hof von Steinfeld von 10.640 auf 3.500; der 1805 auf Einspruch der Hospizienkommission zurückgestellte Hof von St. Matthias kam statt mit 10.880 mit 4.000 Francs wieder zum Aufruf. Der Notar Merrem griff zu — am 9. und 30. Oktober 1807 ersteigerte er allein oder mit Jakob Thanisch sechs Zeltinger Objekte für zusammen knapp 45.000 Francs.

82.000 Francs für Dusemond

Am 29. November 1803 wurden in Dusemond, dem heutigen Brauneberg, 2,60 Hektar Weinberg der Grafen von Blankenheim ausgerufen, Schätzpreis 9.200 Francs. Der Zuschlag fiel bei 82.000. Der Präfekt hob ihn auf — Hayn hatte, wie die Herausgeber vermerken, für einen Auftraggeber geboten, „der aber nicht zahlungsfähig war“. Tatsächlich bezahlt wurden im Januar 1808 für einen anderen Dusemonder Weinberg, 1,84 Hektar des Klosters Filzen „im Braunenberg“, 16.400 Francs, gut 8.900 je Hektar — das Vierfache dessen, was ein einzeln verkaufter Weinberg im Rhein-Mosel-Departement im Schnitt erzielte. Noch teurer war im selben Monat Wehlen.

05 — Wer gewannDie neuen Herren

Trier · Graach

Matthias Josef Hayn

Der „Moselkönig“. Felix Meyer nennt ihn den seinerzeit größten Weingutsbesitzer der Mosel. Der Graacher Martinshof der Abtei St. Martin — 3,83 Hektar Weinberg, zwölf Hektar Acker, neun Hektar Wiese — wurde laut Edition nicht versteigert, sondern dem Pariser Armeelieferanten François Pothier überlassen (Ed. S. 10). Nach Jens Baumeister erwarb Hayn den Hof in Paris und gab ihm den Namen Josephshof; die Bernkasteler Festschrift berichtet, er habe ihn zum Musterweingut ausgebaut. 1858 ging er, wie Karl Heinrich Koch 1897 festhält, an Kesselstatt. Am 12. September 1822 verkaufte Hayn seine ehemals kurkölnischen Dritteltrauben-Renten den Einwohnern von Zeltingen und Rachtig für 10.000 Taler (Meyer, S. 319).

Bernkastel

Anton Cetto

Maire von Bernkastel. Er kaufte am ersten Tag die kurfürstliche Kellnerei für 11.000 Francs, dazu das Kapuzinerkloster und ein Kelterhaus in Kues — und 1804 von den Grafen von der Leyen „den gesamten Doktorberg mit 10099 Weinstöcken“ (Schaaf, Festschrift Bernkastel-Kues, S. 260).

Bernkastel · Graach · Trier

Thanisch

Drei Träger des Namens: Anton, Kaufmann in Bernkastel, kauft 1803 in Kues mit und 1808 die 17.216 Stöcke von St. Matthias in Bernkastel; Thomas, Winzer in Graach, ist 1804 und 1805 an Gruppenkäufen beteiligt; Jakob, Kaufmann in Trier, kauft 1807 in Zeltingen. 1798 hatten drei Thanisch die Bernkasteler Adresse für den Anschluss an Frankreich unterschrieben.

Zeltingen · Machern

Karl Ellinckhuysen

Bisheriger Pächter und Mitglied des Generalrats des Departements. Er kaufte die Klosteranlage Machern für 30.600 Francs, am 24. Juni 1803 die 4,89 Hektar Weinberg daneben für 14.000 und 1808 weitere Äcker und Wiesen. Meyer zählt ihn zu den Pionieren des reinen Rieslingsatzes; den niedrigen Bau will er schon 1795 in der Zeltinger Lage Kirbet versucht haben.

Paris · Montpellier

Die Armeelieferanten

Statt Geld bekamen sie Land: Pothier außer dem Martinshof den Himmeroder Mönchshof in Ürzig (27.400 Francs) und ein Hofgut des Klosters Filzen in Wintrich; die Firma Granier et fils aus Montpellier den Himmeroder Hof Siebenborn bei Maring mit 36 Hektar Acker, für 86.000 Francs.

Trier

Graf Kesselstatt

In den 32 Seiten des Kantons erscheint der Name ein einziges Mal: Clemens Graf von Kesselstatt kauft am 7. Oktober 1808 ein Hofgut in Maring aus dem Bestand der Senatorie von Lyon. Der Josephshof, mit dem der Name heute verbunden ist, kam erst 1858 an das Haus.

Außerhalb des Kantons, und deshalb in den vorliegenden Seiten der Edition nicht enthalten, liegen die berühmtesten Fälle: der Scharzhof, den nach Pigott Jean-Jacques Koch 1797 erwarb; und, nach Baumeister (S. 15, 26, 30), die Abtei St. Matthias an Philipp Christoph Nell, der Karthäuserhof an Valentin Leonardy und über ihn an den Schwiegersohn Rautenstrauch, Maximin Grünhaus 1811 an Friedrich von Handel.

Verschont blieb, was als gemeinnützig galt. Das St.-Nikolaus-Hospital in Kues, die Stiftung des Cusanus, behielt seine Weinberge und kam nur unter eine staatliche Verwaltungskommission; in Trier wurden die Hospitäler 1806 zu den Vereinigten Hospitien zusammengelegt (Heyen, S. 413, 425). 1805 wurde ein Zeltinger Hof von St. Matthias auf Einspruch der Hospizienkommission vom Verkauf zurückgestellt (Ed. S. 29).

06 — Ein DorfWehlen, 24. Juni 1803

Für Wehlen verzeichnet die Edition sechs Verkäufe mit Weinbezug, drei davon am ersten Tag. Das Kelterhaus des Stifts Pfalzel — Hof, Keller, Küche, Speicher — ging an Hayn. Die 4,89 Hektar des Klosters Machern, das auf Wehlener Bann lag, an den Pächter Ellinckhuysen. Und das kurfürstliche Haus Nr. 122 mit zwei Keltern, bisher für 23 Francs im Jahr an Valentin Zeitzen verpachtet, an vier Wehlener Winzer gemeinsam: Christoph Hout, Johann Philipp Prüm, Sebastian Stephen und Michael Esser. Es ist die einzige Stelle, an der der Name Prüm in den Akten des Kantons vorkommt — nicht als Käufer eines Klosterhofs, sondern als einer von vier Nachbarn, die sich eine Kelter sichern.

Zwei Jahre später, am 13. August 1805, kaufte der Trierer Kaufmann Karl Anton Bernasco den Wehlener Hof von St. Maximin mit Kelter und 9.825 Stöcken für 14.200 Francs; 1807 gingen weitere 4.826 Stöcke für 2.525 Francs an zwei Trierer; im Januar 1808 nahm ein Trierer Konsortium 8.258 Macherner Stöcke auf 0,74 Hektar für 12.000 — über 16.000 Francs je Hektar. Mehr brachte im Kanton nur ein halber Hektar Klausener Weinberg in Wintrich, den 1805 zwei Juristen für 9.500 Francs ersteigerten: knapp 18.000 je Hektar. Einen Lagennamen nennen die Akten nicht; die Sonnenuhr, nach der der Hang heute heißt, wurde erst 1842 gebaut.

Wehlen an der Mosel, vom gegenüberliegenden Ufer gesehen
WehlenDas Dorf am linken Ufer, die Weinberge am rechten: Wer keltern wollte, musste die Trauben über den Fluss bringen.

07 — UrteileVerschleudert oder verkauft?

Felix Meyer, der 1926 die Wirtschaftsgeschichte des Moselweins schrieb, hatte ein klares Bild: Die Güter seien „schnell, unökonomisch und meist zu recht niedrigen Preisen“ versteigert worden, an Konsortien und an „das städtische Großkapital“, weil die katholische Bevölkerung sich scheute, Kirchengut zu kaufen.

Aus diesen Tagen datieren die meisten heutigen großen Vermögen, der alte Reichtum der Mosel.

Felix Meyer, Weinbau und Weinhandel an Mosel, Saar und Ruwer, 1926, S. 30

Sechzig Jahre später rechneten Schieder und Kube nach und kamen zum entgegengesetzten Schluss:

Die Nationalgüter wurden von der französischen Domänenverwaltung weder verschleudert noch zu billig verkauft.

Schieder / Kube, S. 108

Beides lässt sich an den Bernkasteler Akten zeigen. Verschleudert wurde nichts — die Kelterhäuser gingen teils für das Zwanzigfache der Schätzung weg, die guten Weinberge weit über Taxe. Aber Meyers zweiter Satz stimmt: Wer 1807 für fünfundvierzigtausend Francs bieten konnte wie der Notar Merrem, bekam, was 1805 keinen Käufer gefunden hatte. „Als Käufer kamen insbesondere diejenigen zum Zug, die die größte Kapitalreserve besaßen“ (RM S. 123). Dass Katholiken Kirchengut gemieden hätten, bestätigen die Akten dagegen nicht: In Kues und Graach kauften Winzer schon 1803 und 1804 Weinberge von Klöstern und Stiften.

Entscheidend war, was danach geschah — und das ist am schlechtesten belegt. Die eigentliche Verteilung an bäuerliche Besitzer, vermuten Schieder und Kube, fand in einer zweiten Phase statt, beim privaten Weiterverkauf.

Durch die Säkularisation und die Mediatisierung wurde das ehemals geistliche und weltliche feudale Herreneigentum nicht ein für alle Male verteilt.

Schieder / Kube, S. 124

Für den Wein hatte der Umbruch drei Folgen, die Meyer beschreibt. Der Winzer war die Teiltrauben, den Zehnten, Bede und Gülten los — soweit die Rechte nicht in privater Hand lagen; private Traubenrenten wurden erst in den 1820er Jahren abgelöst, bei den Ärmsten bis in die 1870er. Die neuen Besitzer der großen Güter — Hayn, Ellinckhuysen, Böcking in Trarbach, Reiß in Kröv — wandten sich dem reinen Rieslingsatz zu und zogen die Stöcke niedrig. Und mit den Klöstern fehlten vorerst die größten Abnehmer, während Blockade und Kontinentalsperre den Markt verengten: Von 200.525 Zentnern Wein, die 1808 von der Mosel in den Rhein gingen, war die Hälfte französisch.

Nach 1813 ging die Domänenverwaltung reibungslos in preußische Hände über. Eine Koblenzer Übersicht vom 1. März 1818 bezifferte die beim Abzug der Franzosen noch ausstehenden Kaufgelder auf 1.641.143 Francs.

NachweiseQuellen dieser Seite

  • Wolfgang Schieder / Alfred Kube, Säkularisation und Mediatisierung. Die Veräußerung der Nationalgüter im Rhein-Mosel-Departement 1803–1813 (Forschungen zur deutschen Sozialgeschichte 4), Boppard am Rhein: Boldt 1987.
  • Wolfgang Schieder (Hrsg.), Säkularisation und Mediatisierung in den vier rheinischen Departements 1803–1813. Edition des Datenmaterials der zu veräußernden Nationalgüter, Teil III: Saar-Departement, datentechnisch aufbereitet von Manfred Koltes (Forschungen zur deutschen Sozialgeschichte 5), Boppard am Rhein 1991 — ausgewertet ist der Kanton Bernkastel, S. 1–32. Die Kantone Konz, Saarburg, Pfalzel, Schweich, Trier und Wittlich, also Saar, Ruwer, Trier und Piesport, liegen noch nicht vor.
  • Felix Meyer, Weinbau und Weinhandel an Mosel, Saar und Ruwer, Koblenz 1926, S. 29–38, 180–182, 319.
  • Erwin Schaaf, Bernkastel unter der Trikolore 1794–1814, in: Bernkastel-Kues in Geschichte und Gegenwart, 1991, S. 246–266.
  • Jens Baumeister, Wie der Wein Karl Marx zum Kommunisten machte, 3. Aufl., Trier 2021, S. 15, 26, 30. — Franz-Josef Heyen, Das Stift St. Simeon in Trier, 2002, S. 413, 425.
  • Hektarpreise, die Summe der Käufe Merrems und die Zahl der laufenden Nummern sind aus den Angaben der Edition errechnet. Wo in der zweispaltigen Edition Käufer oder Preis nicht eindeutig zuzuordnen waren, ist der Fall weggelassen. Für das Saar-Departement insgesamt verweisen Schieder und Kube auf Michael Müller, Säkularisation und Grundbesitz, Boppard 1980.